Meine Newsletter-Linkliste kann ich jetzt befragen
Seit ungefähr einem Jahr sammle ich Links und kurze Einordnungen aus Newslettern. Lange war das nur ein Ordner voller Textdateien. Jetzt habe ich ausprobiert, was passiert, wenn ich ein LLM darauf loslasse.
Ich lese einige Newsletter zu Technik, Gesellschaft und Digitalisierung. Viele haben einen Abschnitt mit weiterführenden Links: ein kurzer Einleser, ein Linktext, meistens schon eine kleine Einordnung. Manche der verlinkten Artikel lese ich komplett. Viele aber auch nicht.
Trotzdem fand ich diese Sammlungen immer interessant. Also habe ich angefangen, die Linklisten zu kopieren und bei mir abzulegen. Nicht besonders ausgefeilt: ein Ordner mit Markdown-Dateien, den ich mit dem kostenlosen Tool Obsidian verwalte und damit gleich eine schöne visuelle Darstellung habe: Markdown ist eine einfache Art, Text zu formatieren. Die Dateien bleiben gut lesbarer Text. In Obsidian werden daraus dann zum Beispiel sichtbare Überschriften und klickbare Links. Mehr Technik steckt in meiner Sammlung erst mal nicht.
Warum ich das überhaupt sammle
Mich interessiert, wie sich Themen über längere Zeit entwickeln. Nehmen wir Meta: Welche Nachrichten gab es zu Facebook, Instagram oder WhatsApp? Ging es um neue Regeln, Änderungen an den Plattformen, Datenschutz oder Probleme des Konzerns?
Dasselbe ließe sich über Tesla, SpaceX oder andere Unternehmen und Themen fragen. Nur müsste ich dafür erst mal wiederfinden, was ich irgendwann irgendwo in irgendeinem Text gelesen habe. Und genau daran scheitert es im Alltag oft. Ich erinnere mich an ein Thema, aber nicht mehr an die Formulierung der Meldung – geschweige denn daran, in welchem Newsletter sie stand.
Mein Ordner war also eine Art persönliches Archiv. Nur eines, das ich bisher kaum sinnvoll benutzt habe.
Ein ziemlich ungenauer Versuch
Ich habe den ganzen Ordner exemplarisch an Claude Code gegeben und sinngemäß gesagt: Such mir alles heraus, was in meiner Linkliste zu Facebook, Meta und Instagram steht. Das war kein ausgefeilter Prompt. WhatsApp hatte ich zum Beispiel gar nicht erwähnt.
Trotzdem hat Claude auch WhatsApp berücksichtigt. Das fand ich bemerkenswert: Eine Suche nur nach dem Wort „Facebook“ hätte solche Einträge nicht unbedingt gefunden. Das LLM konnte hier den Zusammenhang zwischen den Namen bzw. Firmen / Services direkt herstellen.
Dann habe ich um eine HTML-Datei mit klickbaren Links gebeten. Erwartet hatte ich eine hübschere Liste mit den gesammelten Einlesern. Bekommen habe ich mehr: eine Liste, in der ich die Texte durchsuchen und die Einträge nach Themen wie Facebook, Meta, Instagram, WhatsApp oder KI filtern kann.
Aus meinen schlichten Textdateien wurde so eine kleine Oberfläche, mit der ich tatsächlich etwas anfangen kann.

Nicht das ganze Internet, sondern meine Auswahl
Der spannendste Punkt ist für mich aber nicht die HTML-Datei. Es ist die Möglichkeit, meine eigene Sammlung zu befragen.
Ich muss nicht mehr wissen, welcher Newsletter eine Meldung verlinkt hat oder welches Wort im Einleser stand. Ich kann fragen: „Da war doch etwas mit Meta zu diesem Thema – was hatte ich dazu gespeichert?“ Und bekomme Hinweise auf Einträge, die ich sonst vermutlich nicht wiedergefunden hätte.
Das ist etwas anderes als eine Suche im gesamten Internet. Meine Sammlung ist bereits gefiltert – durch die Newsletter, die ich lese, und durch die Links, die ich aufgehoben habe. Darin steckt keine vollständige Geschichte von Meta oder irgendeinem anderen Thema. Es ist mein Ausschnitt davon, geprägt auch durch die Auswahl und Einordnung der Newsletter-Autor:innen.
Und genau deshalb ist er für mich nützlich.
Natürlich sollte ich prüfen, ob die gefundenen Einträge wirklich passen. Ein Newsletter-Teaser ersetzt auch nicht den verlinkten Artikel. Aber für die Frage „Wo habe ich dazu schon mal etwas gesehen?“ ist dieser Ordner plötzlich viel hilfreicher geworden.
Ich habe über ein Jahr lang Links gesammelt, ohne genau zu wissen, was ich später damit machen würde. Jetzt kann ich sie nicht nur aufbewahren, sondern wiederentdecken. Das ist vielleicht mein liebster Teil an diesem kleinen Experiment. Und ich werde damit definitiv weitermachen 🙂!
Selber ausprobieren
Ich habe den Status quo dieses kleinen Experiments direkt mal online verfügbar gemacht, wer will kann jetzt also mal so schauen, was ich da gesammelt habe: formlos-berlin.de/Meta-Facebook-Instagram.html (die Links zur Quelldatei funktionieren nicht)
Disclaimer: Die Idee zu diesem Artikel habe ich einfach in Awork AI (DSGVO-konform) reindiktiert, sehr unstrukturiert und einfach so, wie mir die Gedanken gekommen sind. Da habe ich dann natürlich auch ein paar Wiederholungen drin gehabt und dann mit einem von mir vorher definierten Skill, den ich Schreibstil genannt habe, ausformulieren lassen. Das Beitragsbild habe ich mit mockuper.net gemacht.
Mit Liebe recherchiert und geschrieben von Lukas Kerecz