Wie ich Gedanken diktiere, von LLMs strukturieren lasse und mir so Zeit spare
Warum gesprochene Gedanken und Markdown erstaunlich gut zusammenpassen
In den letzten Wochen habe ich mir angewöhnt, Gedanken nicht mehr sofort zu tippen. Stattdessen spreche ich sie einfach ein. Direkt in ein LLM, im Sprachmodus. Ohne Vorbereitung, ohne Struktur. So, wie sie eben gerade kommen.
Was dabei entsteht, ist zunächst genau das: ein Strom aus Gedankenfetzen. Unpräzise, sprunghaft, manchmal widersprüchlich, viele Wiederholungen und Redundanzen. Und trotzdem ist das bereits überraschend nützlich. Denn aus dem Gesprochenen entsteht automatisch ein Transkript. Rohmaterial. Nicht mehr flüchtig, sondern festgehalten.
Der eigentliche Gewinn beginnt allerdings erst danach.
Vom Diktat zur Struktur
LLMs sind sehr gut darin, Ordnung herzustellen. Nicht im Sinne von „richtig“ oder „falsch“, sondern im Sinne von: Was gehört zusammen? Was ist zentral und was eher eine Randnotiz?
Wenn ich dann das Transkript nehme und ein LLM bitte, daraus eine Struktur zu erzeugen, zeigt sich schnell: Als Zielstruktur eignet sich dafür ein Format besonders gut – Markdown.
Markdown ist schlicht. Und genau darin liegen seine Stärken:
- für Maschinen eindeutig lesbar
- für Menschen schnell erfassbar
- leicht weiterzuverarbeiten, egal ob Richtung Text, Dokumentation oder Automatisierung
In meinem Prozess fungiert es als eine Art gemeinsame Sprache zwischen Denken, Maschine und der späteren Veröffentlichung.
Ein minimales Markdown-Beispiel
Mehr braucht es oft nicht:
# Überschrift erster Ordnung
Ich bin ein ganz normaler Textabsatz, bzw. Textabschnitt – ich habe einfach keine weitere Formatierung. Wie ein normaler Absatz im Word-Dokument oder auf einer Webseite.
## Überschrift zweiter Ordnung
### Überschrift dritter Ordnung
- Bullet Point
- **Fett hervorgehoben**
- *kursiv markiert*
Was ihr hier seht sind Überschriften, Hierarchien, Aufzählungen, Hervorhebungen. Hier entscheiden sich noch keine Layout-Fragen und daher gibt es keine Ablenkung. Es gibt erst mal nur diese Struktur, keine Schriftgrößen-Entscheidungen oder Farbanwendungen. Genau diese Reduktion hilft dabei, dass meine unklaren Gedanken sortiert sind.
Struktur als Zwischenschritt, nicht als Endprodukt
Der entscheidende Punkt: Markdown ist selten das Ziel. Es ist ein Übergangszustand. Aus dem langen Diktat entsteht zunächst die gegliederte Struktur. Diese Struktur kann man dann:
- in einem neuen Chat wiederverwenden
- als Grundlage für einen ausformulierten Text nutzen
- in eine präzise Aufgabenbeschreibung oder Automatisierung übersetzen (lassen)
- oder zu einer sauberen Zusammenfassung verdichten
Das ursprüngliche Chaos wird dabei bereits in eine klare Form überführt – nicht geglättet, sondern strukturiert. Und genau das macht es sehr praktisch für die nächsten Schritte.
Warum das gerade für komplexe Themen funktioniert
Der entscheidende Unterschied entsteht nicht beim Sprechen, sondern beim anschließenden Strukturieren durch ein LLM. Sprechen erlaubt es, Gedanken in kurzer Zeit ungefiltert loszuwerden – ohne Rücksicht auf Reihenfolge, Relevanz oder sprachliche Präzision. Tippen würde mich hier früh zur Ordnung zwingen und damit oft ausbremsen.
Der Mehrwert entsteht für mich dadurch, dass ein LLM aus ungeordnetem Denken automatisch eine brauchbare Struktur erzeugt – nicht dadurch, dass man selbst strukturierter denkt oder schreibt. Diese Struktur ist klar genug, um weiterverarbeitet zu werden, und offen genug, um noch verändert zu werden.
Mein Prozess lässt sich so ganz einfach zusammenfassen:
- Ich spreche / diktiere
- Das LLM strukturiert für mich
- Ich kann mit der Struktur weiterarbeiten
Der Gewinn liegt für mich darin, dass aus wirren Gedanken „automatisch“ Ordnung entsteht – ohne dass ich sie selbst herstellen muss. Und wie immer bei generativen LLMs/KIs gilt natürlich: das finale Produkt muss zur Kontrolle noch mal gelesen werden!
Fazit: unbedingt ausprobieren!
Als ich diese Technik das erste Mal ausprobiert habe, war ich mächtig erstaunt, wie gut direkt die strukturierte Version aus dem Diktat zusammengefasst wird. Daher mein Tipp: unbedingt das nächste Mal ausprobieren, wenn ihr wisst/merkt, dass ihr viele Gedanken im Kopf habt und beim Tippen die Hälft vergesst. Oder wenn ihr ungeordnet schnell alles aus eurem Kopf irgendwo festhalten möchtet. Ich hoffe, ihr seid genau so (positiv) überrascht wie ich.
Und ich würde mich über eure Erfahrungen freuen!
Disclaimer: Die Idee zu diesem Artikel habe ich natürlich diktiert – sehr sehr roh (Hier klicken für meinen diktierten Text im O-Ton). Dann habe ich daraus einen Blog-Artikel mit meinem Schreibe-Blog-Artikel-in-Lukas-Sprech-GPT erzeugt. Das war schon ganz gut, aber es war sehr viel Geschwafel drin und die Struktur war irgendwie nicht so gut. Das Ende war total wischi-waschi und ich habe dann noch mal ca. 1,5 Stunden lang den Text überarbeitet.
Mit Liebe recherchiert und geschrieben von Lukas Kerecz