6 Learnings aus 15 Jahren Kommunikationsdesign
Ok, wow – 15 Jahre, das ist ganz schön lang. Mit 15 war ich (Miriam) gerade in der Vorbereitung für ein Auslandsjahr in den USA und konnte es gar nicht abwarten „rauszukommen“. Meine Eltern habe ich damit ganz schön auf die Probe gestellt: Sie mussten aushalten, dass ich weg wollte, meine Flügel ausbreiten und mich ausprobieren. Eine spannende Zerreißprobe, die sich echt gelohnt hat.
Wir stehen gerade vor einer ähnlichen Herausforderung in unserer Branche. KI verändert echt viel. Wir müssen viel Neues lernen – und darauf vertrauen, dass unsere Werte und Kernideen sich weiterhin behaupten können.
Um gesund in die Zukunft zu blicken, muss man auch mal über Dinge nachdenken. Wir sollten uns anschauen, wie wir angefangen haben und was wir bis jetzt erreicht haben. Kommt gerne mit auf unsere kleine formlose Zeitreise.
Wie es anfing
Lukas und ich haben uns im Studium kennengelernt: Kommunikationsdesign in einer kleinen Uni in Kreuzberg. Während alle anderen fast direkt aus der Schule kamen, waren wir die ältesten im Kurs. Lukas hatte vorher seinen Diplom-Volkswirt gemacht (ja, wirklich!) und nebenbei angefangen, Webseiten zu gestalten und zu programmieren. Ich hatte gerade in Frankfurt am Main meine Ausbildung zur Mediengestalterin abgeschlossen. Wir konnten also beide schon die Basics – aber wir wollten beide eine Sache verstehen: Wie wir Design so erklären können, dass auch unser Gegenüber ein Verständnis dafür hat.
Das hat uns von Anfang an verbunden – daraus ist FORMLOS entstanden. Erst haben wir noch mit Laurenz aus dem Marketing gestartet. Noch ohne jeden Plan. Deswegen auch FORMLOS, weil wir ehrlich gesagt noch nicht so richtig wussten, welche Form das Ganze annehmen soll.
Learning 1: Design ist kein Extra.
Im Studium gab es einen Dozenten, der uns sehr geprägt hat: Hoc. Von ihm kommt eine Haltung, die uns bis heute begleitet.
Kommunikationsdesign hat immer mindestens ein Ziel: Kommunizieren. Und deshalb braucht jede Entscheidung auch eine Begründung.
Warum ist das so wichtig? Design wird schnell als Extra verstanden. Als Dekoration, die am Ende dann dazu kommt. Dabei wirkt Design auch dann, wenn man es gar nicht will. Es impliziert Werte, ohne sie auszusprechen. Und auch ohne, dass man es geplant hatte. So wirkt eine unbedacht ausgewählte Schrift konservativ und altbacken – obwohl man sich als traditionell und modern versteht. Design kann Werte tragen und Haltung zeigen. Design kann Dinge erklären. Und es kann auch manipulieren.
Die Propaganda der Nazis ist dafür leider ein gutes Beispiel.
Wenn wir vergessen, dass Design ein Werkzeug zur Kommunikation ist, verpassen wir die Chance, es für das Gute einzusetzen. Nicht um zu manipulieren – sondern um Dinge sichtbar zu machen, die gesehen werden sollen.
Das ist unser Warum – seit 15 Jahren.
Learning 2: Strategie ist keine Gratisberatung.
Unser erstes Büro war das ehemalige Wartezimmer der Praxis von Lukas‘ Mutter. Und dort haben wir gelernt, was sich (vor allem für andere Branchen) logisch anhört, in unserer Branche aber nicht immer selbstverständlich war: Was wir am Ende gestalten ist nur das Endergebnis. Der Weg dorthin ist Begleitung, die wir im Studium gelernt haben: Rauskitzeln, welche Werte hinter einem Unternehmen stecken und welche Ziele es gibt.
Reden. Verstehen. Gestalten.
Und diese Begleitung kostet Zeit. Und diese Zeit müssen wir uns am Anfang nehmen, denn sonst müssen wir sie am Ende durch endlose Korrekturschleifen und Unzufriedenheit auf beiden Seiten reinstecken. Und diese Zeit gehört zur Arbeit dazu und die muss auch auf der Rechnung stehen.
Mit dem aktuellen Blick auf KI ist dieser Punkt besonders spannend. Mehr Gedanken dazu findet ihr in unserem Blog-Artikel „Wer entscheidet, was gut ist?“
Learning 3: Teams entstehen manchmal nicht durch Planung, sondern durch Timing.
Noch im Wartezimmer klopfte irgendwann jemand an: Praktikumsplatz gesucht als Mediengestalter. Richard.
Und er kam und blieb – und wurde ein ganz wichtiger Teil von FORMLOS.
Und dann kam Laura – mit dem besten Bewerbungsbetreff den ich je gelesen habe: „Beraubung um ein Pflichtpraktikum.“ Wer Laura kennt, weiß: Autokorrektur ist schon fast ein Stilmittel.
Und auch sie wurde schnell ein wichtiger Teil von uns.
Nach Fabienne haben wir ganz bewusst gesucht und dennoch war viel Zufall oder (pathetisches) Schicksal im Spiel: Wir suchten nach jemanden, der uns den Rücken freihält. Und obwohl Fabienne auch Kommunikationsdesignerin ist und wir uns deswegen auch von unserem Berufsverband kannten – suchte sie nach einem Nebenjob, der weniger Gestaltung ist. Und schwubs: It’s a match.
Learning 4: Eigenes Wissen auch bei sich anwenden.
Es gibt diese schöne Geschichte mit den zwei Zahnärtz:innen im Ort – sollte man eher zu dem gehen, der gute Zähne hat oder zu dem mit den schlechten Zähnen? Antwort: zum Menschen mit den schlechten Zähnen, denn er scheint ja den mit den guten Zähnen zu behandeln und somit das Handwerk besser zu verstehen.
Nun – wir haben letzes Jahr ein Demokratie-Stickersheet gemacht – ein eigenes Projekt, das uns wichtig war. Auch um Haltung zu zeigen in einer Zeit, in der die Demokratie unter Beschuss steht. Es hatte dieses klare Ziel: Hoffung machen und Demokratie stärken. Aber natürlich sollte auch klar sein, dass wir das Ganze gemacht haben.
Als wir die Sticker gedruckt vor uns hatten, fiel es uns wie Schuppen von den Augen: Nirgendwo unser Logo. Das haben wir – in der ganzen Begeisterung für die Sticker – komplett vergessen.
Es ist ein recht typisches Beispiel für uns und ich kenne auch einige, die in unserer Branche ähnlich ticken: Wir mögen Marktgeschreie nicht. Und daher fällt es uns schwer, uns selbst so wichtig zu nehmen.
Ein fataler Fehler, den wir natürlich selbst erklären können: Wenn wir nicht klar sagen, wer wir sind, wer soll dann zu uns kommen? Nun, ich schätze das passiert uns nicht noch mal.
Learning 5: Bauchgefühlen vertrauen.
Wir hatten auch Projekte, wo wir von Anfang ein komisches Gefühl hatten. Wir spürten: Da passt was nicht. Aber gerade am Anfang hat man vielleicht eine Haltung, die einem gegenüber offensichtlichen Anfragen hilft (wir haben z. B. einmal eine Waffenlobby-Anfrage abgelehnt). Aber bei weniger offensichtlichen Arschlöchern ist es nicht ganz so schnell klar.
Erst als wir schon beauftragt waren, wurde es immer ungemütlicher und es kam auch zu einem Bruch. Über den waren und sind wir bis heute dankbar.
Heute wissen wir: Bauchgefühl zählt.
Learning 6: Spaß ist kein Beiwerk. Spaß ist ein Wert.
Wir haben immer gesagt, wir wollen nicht irgendwann ein dickes Auto fahren – wir wollen von dem leben, was wir machen. Und wir glauben an das, was wir machen: Bewusste Kommunikation ist wichtig. Besonders für die „Guten“.
Gleichzeitig ist uns Spaß auch wichtig – Arbeit ist ein großer Teil unseres Lebens und der sollte nach Möglichkeit so gestaltet sein, dass wir gerne aus dem Urlaub zurück kommen. Dazu gehört, dass man hinterfragt wie (und wie lange) und mit wem wir arbeiten.
Wir versuchen nicht in die Klischee Agenturfallen zu treten, indem wir zu viel arbeiten und uns Nächte um die Ohren schlagen. Und wir arbeiten nur mit Menschen, die wir mögen. Und wir haben das Glück, dass diese Menschen auch immer wieder zu uns kommen.
Das ist kein Luxus. Das ist eine Investition in unsere Gesundheit. Denn alles andere wäre negativer Stress, der krank macht und sich nicht lohnt. Und wir sind sehr dankbar, dass wir das verstanden haben.
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15 Jahre FORMLOS – Das sind viele Projekte, viele Gespäche und viele Entscheidungen. Und auch viele kleine Momente, die uns so viel Kraft und Energie geben.
Die Kraft der bewussten Kommunikation, Strategie, ein gutes Team, gesunde Selbstvermarktung, auf unser Bauchgefühl hören und den Spaß nicht vergessen – das sind alles Sachen, die uns mit in die Zukunft tragen werden.
Es hat geklappt, weil wir nie allein waren.
Danke, dass ihr da seid – danke dass ihr mit uns arbeitet. Danke, dass ihr uns begleitet.
Auf FORMLOS – auf 15 Jahre und auf das, was wir noch lernen werden.
Mit Liebe recherchiert und geschrieben von FORMLOS Berlin